Die Grundregel: Regenwasser bleibt auf dem Grundstück
Regenwasser von Dächern und befestigten Flächen gilt rechtlich als Abwasser. Das Berliner Wassergesetz verlangt, dass es möglichst über die belebte Bodenzone versickert. Für Bauvorhaben – also Errichtung, Änderung oder Nutzungsänderung baulicher Anlagen – gilt in Berlin zusätzlich die Begrenzung der Regenwassereinleitung, kurz BReWa-BE.
Danach muss zuerst die Bewirtschaftung auf dem Grundstück sichergestellt werden. Nur wenn eine Einleitung unvermeidbar ist, darf ausschließlich der Abfluss eingeleitet werden, der auch im unversiegelten, quasi-natürlichen Zustand entstehen würde.
Wann darf noch eingeleitet werden?
Im Einzugsgebiet der Mischkanalisation ist eine Einleitung grundsätzlich nicht mehr möglich; die Berliner Wasserbetriebe lassen Ausnahmen nur in begründeten Fällen und mit weitgehenden Beschränkungen zu. Muss doch eingeleitet werden, gelten Drosselabflüsse bezogen auf die kanalisierte Fläche. Dass eine vollständige Bewirtschaftung auf dem Grundstück nicht möglich ist, muss durch ein Fachgutachten begründet werden.
| Position | Richtwert / Angabe |
|---|---|
| Einleitung in Gewässer 2. Ordnung | max. 2 l/(s·ha) |
| Einleitung in Gewässer 1. Ordnung | max. 10 l/(s·ha) |
| Mindestdrosselabfluss | 1 l/s |
| Überflutungsnachweis | Grundstücke > 800 m² nach Regelwerk |
| Grundstücke < 800 m² | Nachweis in Anlehnung an das Regelwerk |
Erlaubnisfrei oder mit Erlaubnis?
Außerhalb von Trinkwasserschutzzonen ist die Versickerung nach der Niederschlagswasserfreistellungsverordnung (NWFreiV) erlaubnisfrei, wenn deren Voraussetzungen erfüllt sind. Ist das nicht der Fall – etwa bei belasteten Flächen oder ungünstigem Untergrund –, beantragen Sie eine Erlaubnis bei der Wasserbehörde. Ihr Planer prüft, welcher Fall vorliegt.
Die gängigen Versickerungsanlagen
Flächenversickerung: Regenwasser versickert direkt über Rasen oder wasserdurchlässige Beläge. Mulde: eine flache, begrünte Senke, die Wasser kurz speichert und über den Oberboden versickert. Rigole: ein unterirdischer Speicher aus Kies oder Kunststoff-Sickerblöcken, der Wasser aufnimmt und langsam abgibt – platzsparend unter Wegen und Stellplätzen. Mulden-Rigolen-System: die Kombination aus beidem, wenn der Platz knapp ist. Sickerschacht: punktuelle Versickerung in der Tiefe. Ergänzend helfen Gründächer und Zisternen, die Wassermenge zu verringern.
Worauf es beim Bau ankommt
Entscheidend sind Durchlässigkeit des Bodens und Abstand zum Grundwasser. Im sandigen Urstromtal versickert Wasser gut, aber das Grundwasser steht oft hoch; nach dem Regelwerk DWA-A 138 soll in der Regel mindestens ein Meter Sickerraum bis zum mittleren höchsten Grundwasserstand bleiben. Auf den Lehm- und Mergelflächen von Barnim und Teltow versickert Wasser dagegen langsam, dort werden Anlagen größer.
Beim Bau zählen saubere Details: Geotextil gegen Einschlämmen, Absetzschächte vor Rigolen, ein Notüberlauf und – bei Mulden – ein Oberboden, der nicht verdichtet wurde. Baufahrzeuge auf künftigen Versickerungsflächen verdichten den Boden und können die Funktion dauerhaft verschlechtern.
Gebühren sparen
Wer Regenwasser auf dem eigenen Grundstück bewirtschaftet, kann sich teilweise oder ganz vom Niederschlagswasserentgelt der Berliner Wasserbetriebe befreien lassen. Die Neuberechnung beantragen Sie bei den Wasserbetrieben – das gilt auch, wenn Sie Flächen entsiegeln oder an eine Versickerung anschließen.
Hinweis: Preisangaben sind Richtwerte aus aktuellen Kostenübersichten und ersetzen kein Angebot. Rechtliche Angaben nach Stand der Veröffentlichung, ohne Gewähr – maßgeblich sind die jeweils geltenden Vorschriften und Auskünfte der Behörden.
Häufige Fragen
Gilt die BReWa-BE auch für Bestandsgebäude?
Sie gilt für Bauvorhaben, also Errichtung, Änderung oder Nutzungsänderung. Bei reinem Bestand ohne Bauvorhaben greift sie nicht – eine freiwillige Abkopplung kann aber Gebühren sparen.
Wer plant die Versickerungsanlage?
Ein Fachplaner bemisst die Anlage nach Regelwerk. Wir bauen sie nach Plan und übergeben die Dokumentation.
Kann ich Regenwasser in eine Zisterne leiten?
Ja, Zisternen reduzieren die abzuleitende Menge. Für den Überlauf braucht es trotzdem eine Versickerung oder genehmigte Ableitung.


